Fragen und Antworten

Wie recherchierst du für historische Romane?

Meine ausführliche Antwort findet ihr hier.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Die ausführliche Antwort steht hier: Marthas Arbeitstag

Wird es eine Fortsetzung zu … geben?

Zu keinem meiner Romane ist bisher eine Fortsetzung geplant. Einfallen würde mir allerdings zu jedem eine …

Woher nimmst du deine Ideen?

Dahinter steckt eine magische Mischung aus Tagträumerei, planloser Recherche, planvoller Recherche und der immer wiederkehrenden Frage „Was wäre wenn?“. Ideen finden ist nicht schwer. Sie zu verfolgen, auf Tragfähigkeit abzuklopfen und umzusetzen schon eher. Absolut notwendig ist, dass ich zu meiner Idee eine ganz persönliche Verbindung entwickle, sonst kann ich mich nicht so intensiv mit ihr auseinandersetzen, wie es nötig ist.

Warst du eine gute Geschichtsschülerin?

Nein. Ich habe mich im Geschichtsunterricht oft gelangweilt, obwohl ich grundsätzlich neugierig auf die Vergangenheit war. Heute weiß ich, dass mir der Bezug des Lehrstoffs zum damaligen Leben fehlte. Wenn ich eine Vorstellung vom Alltag der Menschen habe und mich ein wenig mit ihnen identifizieren kann, fällt es mir leichter, mich für die abstrakteren politischen Fakten zu interessieren und sie im Gedächtnis zu behalten.

Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass du dich dem Genre des Historischen Romans zugewandt hast?

Schon als Kind hat mich interessiert, wie man in der Vergangenheit lebte. Das zog sich weiter durch mein Studium, in dem ich immer wieder Schwerpunkte auf die Untersuchung historischer Entwicklungen setzte. Als Leserin liebe ich Abenteuerromane und Liebesgeschichten. Als gern weiter Lernende macht es mich glücklich, mir geschichtliche Epochen und Zusammenhänge zu erschließen. Das Genre bietet mir also die Möglichkeit, viele Vorlieben (mit wechselnder Gewichtung) zu verknüpfen. Es lag nahe, dass ich mich darin versuchte. Glück für mich war, dass der große Boom des historischen Romans in die Zeit fiel, in der ich mein erstes veröffentlichungsreifes Manuskript vorlegen konnte.

Du schreibst über unterschiedliche Epochen. Fällt es dir leicht, dich in die verschiedenen Zeiten hineinzuversetzen?

Meine Phantasie hat damit keine Probleme. Allerdings bekommt sie auch eine Menge Futter. Mit dem Einstieg in eine neue Epoche ist immer intensive Recherche verbunden, nicht nur der historischen Ereignisse, sondern auch der Lebensbedingungen und kulturellen Umstände. Ich erarbeite mir durch das Sammeln von Details das Lebensgefühl der Personen, die meine Geschichte ausmachen. Lehrbuch-Erkenntnisse über Bevölkerungsgruppen, die oft von Statistiken und einer Art »Durchschnittsmensch« ausgehen, behalte ich dabei im Sinn, weiche aber auch bewusst von ihnen ab. Gerade meine weiblichen Hauptrollen sind zwar im Rahmen des historisch Möglichen gestaltet, aber doch eher Ausnahmen für ihre Zeit.

Wünscht du dir manchmal, in eine andere Zeit schlüpfen und dort leben zu können?

Nein, nie. Die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft hat erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit ein erträgliches Maß erreicht. Man kann sich als Frau eigentlich nicht ernsthaft ein Leben in der Vergangenheit wünschen. Als Mann vielleicht eher. Wenn Mann denn vom richtigen Stande wäre …

Wenn du schreibst, laufen da die Szenen wie ein Film in deinem Kopf ab, oder wie kannst du sie so lebendig gestalten?

Ganz reibungslos und wie von allein läuft der Film leider nicht ab. Wenn das passiert, sind es echte, rare Glücksmomente. Das Schreiben lässt sich aber trotzdem mit der Arbeit an einem Film entfernt vergleichen. Ich weiß vorher, was in einer Szene ungefähr passieren muss. Wenn ich sie dann gestalte, schlüpfe ich gedanklich wie eine Schauspielerin in sämtliche Rollen und probe so lange, bis alles passt. Außerdem übernehme ich gleichzeitig den Job der Bühnenbildnerin, Beleuchterin, Kamerafrau und Regisseurin. Und am Ende sitze ich vor dem Monitor und mache noch den Schnitt. Erst allein, dann noch einmal mit meiner Lektorin zusammen.

In deinen Romanen spielen auch Liebesgeschichten eine große Rolle. Bilden sie die Grundlage der Geschichte, oder ist zuerst die Geschichte da und die Liebesgeschichte wird sozusagen die Würze dazu?

Die Erfahrung von Liebe ist für mich sowohl in der Wirklichkeit als auch in guten Geschichten das Gegengewicht gegen die Schrecken und Härten des Menschenlebens. Wenn ich anfange, meine historischen Romane zu planen, die oft von harten Lebensumständen erzählen, gehe ich daher immer auch von einer Liebesgeschichte und möglichst auch von anderen liebevollen Beziehungen aus. Diesen Ausgleich zu schaffen, ist mir ein Bedürfnis. Geschichte und Liebesgeschichte entstehen also gleichzeitig.

Mit wem diskutierst du während des Schreibprozesses über die Geschichte? Oder bleibt alles im Verborgenen, bis die Geschichte gereift und geschrieben ist?

Fast alles bleibt bis zum letzten Manuskriptschliff im Verborgenen. Nur wenn ich Zweifel habe, was wahrscheinliche Verhaltensweisen von Figuren in konkreten Situationen oder übliche Abläufe von Handlungen angeht, hole ich mir Rat bei meiner Familie, bei Freunden oder Fachleuten. Manchmal brauche ich auch Hilfe dabei, etwas auszuprobieren.

Hast du immer Lust dazu, dich an den Computer zu setzen oder braucht es da manchmal Überwindung?

Ach, man kann am Computer ja so viele unterhaltsame Dinge tun, da setze ich mich eigentlich immer gern … Nein, im Ernst: Mit der Arbeit am Text zu beginnen, kostet mich täglich wieder Überwindung. Das ist paradox, weil ich eigentlich gern schreibe. Andererseits strengt mich das Schreiben auch an. Sich vor der Anstrengung lieber drücken zu wollen, ist wohl völlig normal. Übrigens schreibe ich oft Teile meiner ersten Fassungen altmodisch mit Bleistift auf Papier.

Wann weißt du, dass eine Geschichte reif ist, um erzählt werden zu können?

Wenn die beteiligten Figuren in meiner Vorstellung lebendig geworden sind. Und wenn ich sicher bin, dass das Schicksal, das ich für sie voraussehe, aufregend und interessant genug ist, mich für die Dauer des Schreibens zu beschäftigen. Immerhin ist das bei einem Roman mit 400 bis 600 Seiten ungefähr ein Jahr.

Hast du noch immer Herzklopfen, wenn du ein Manuskript an die Lektorin schickst?

Ja.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du dein gedrucktes Buch in Händen hältst?

Toll, endlich kann ich’s anfassen! Wem schenke ich dieses Mal die ersten Belegexemplare?

Liest du?

Na klar, lese ich, und ich würde es gern noch viel, viel mehr tun. Neben Fortbildungsliteratur zur Schreibtheorie und Rechercheliteratur für mein jeweiliges Romanthema lese ich querbeet jede Art von Belletristik, die mich aus irgendwelchen Gründen gerade anspringt. Nur Krimis meide ich, außer ich erhalte einen unwiderstehlichen Tipp.

Wie gerne stellst du dich beispielsweise für eine Lesung vor deine Fans?

Ich bin keine Rampensau und kenne Lampenfieber gut. Begegnungen mit meinen Leserinnen und Lesern machen mir aber trotzdem Spaß, und ich lese auch gern vor Publikum. So häufig ergibt sich das allerdings nicht, weil mir nur selten Lesungen oder Veranstaltungen vorgeschlagen werden, die sich zeitlich, räumlich und finanziell für mich in einem vernünftigen Rahmen abspielen.

Würdest du, nach den Erfahrungen, die du nun gesammelt hast, erneut den Weg als Autorin einschlagen? Was hat dich dazu gebracht, diesen Weg überhaupt zu beschreiten?

Ich hatte auf meinem Weg als Schriftstellerin bisher viel Glück und habe keinen Grund zur Reue, wofür ich dankbar bin. Wie in allen Berufen besteht das Arbeitsleben nicht nur aus geschmeidigen Tagen. Aber solange genug Leserinnen und Leser meine Bücher mögen und der recht komplizierte und wechselhafte »Buchmarkt« mir weiterhin meinen Lebensunterhalt gönnt, kann ich mir keine schönere Beschäftigung vorstellen.

Die Freude am schriftlichen Geschichtenerzählen reicht bei mir weit zurück, und sie macht mich nach wie vor glücklich. Das war und ist der Motor dafür, die entsprechenden Fähigkeiten gezielt weiterzuentwickeln. Den Sprung auf die professionelle Ebene zu versuchen, verlockt wohl die meisten Schreibenden früher oder später.

Welche Themen oder Epochen reizen dich, dich ihnen mal anzunehmen?

Unzählige. Die Geschichte der Friesen, Sturmfluten, die Hanse, europäische Sklavenschicksale, Christianisierung der Sachsen, die frühe deutsche Frauenbewegung, das 19. Jahrhundert, um einige Beispiele zu nennen. Eigentlich würde ich mir auch gern einmal das Thema Hexen vornehmen, halte es aber für etwas abgegrast.

Was hat sich für dich seit deiner ersten Veröffentlichung verändert?

Als meine Agentur das Manuskript für »Herrin wider Willen« an den Verlag brachte, war ich nicht berufstätig. Ich bin mit der ersten Veröffentlichung und dem Folgevertrag aus der Kinderpause heraus ins Berufsleben als Schriftstellerin eingestiegen. Seitdem arbeite ich ungefähr in dem recht üblichen Rhythmus von »Ein Roman in einem Jahr«. Aber irgendwie bleibt am Ende die spürbarste Veränderung, dass meine Kinder groß geworden sind und sich meine Schreibtisch-Arbeitszeiten entsprechend ausgeweitet und verlagert haben.

Bleibst du dem historischen Genre treu?

Für Treue ist es zu spät. Schon 2011 erschien mein erstes Jugendbuch (Rabenherz und Elsternseele) und im Januar 2015 mein erster Frauenroman (Kaffeeklatsch mit Goldfisch). Falls es sich ergibt, werde ich auch in diesen beiden Genres gern wieder etwas veröffentlichen. Etwas Abwechslung tut schließlich gut.

Wie hast du dir früher das Autorin-Sein vorgestellt, und wie erlebst du es heute?

Als ich mir das Autorin-Sein noch nur vorstellte, habe ich mit leichter Hand und übersprudelnder Energie geschrieben. Es war ein Riesenvergnügen, und ich hatte nie genug Zeit dafür. Also habe ich mir schwärmerisch ausgemalt, ganze Arbeitstage, das ganze Arbeitsleben dem Schreiben widmen zu können. Oder auch ungebremst den Themen nachgehen zu können, die mich interessieren. Vor allem träumte ich sehnsüchtig davon, darin als Berufstätige anerkannt zu werden und mich vor niemandem für die „verschriebene“ Zeit rechtfertigen zu müssen.

Nach mehr als zehn fertigen, verlegten Romanen weiß ich heute, dass das Autorin-Sein sowohl aus den euphorischen, schöpferischen Momenten und produktiven Tagen besteht, an denen alles wie von allein läuft, als auch aus einer enormen Menge disziplinierter, harter Arbeit. Immer wieder stellen sich mir jetzt auch solche Tage in den Weg, an denen ich mich zum Schreiben zwingen muss, um plangemäß (und gemäß der Abgabetermine) voranzukommen.

Besonders die geschäftliche Seite des Autorin-Seins und die nüchterne, aber immer wieder auch wunderbare Wirklichkeit des Buchmarkts und der Verlagswelt hätte ich mir übrigens nicht so vorstellen können, wie ich sie mittlerweile erlebt habe.

Alles in allem fühle ich mich in meinem Beruf wohl und inzwischen auch als Berufstätige anerkannt. Obwohl ich merke, wie oft mein Gegenüber sich fragt, ob man von „So was“ wie dem Schreiben wirklich leben kann. Aber eigentlich fragen sich die Leute das ja zurecht. Einfach ist es nämlich nicht.

Während des Schreibens an deinen Romanen, also versunken in deinem Kopf und deinen Geschichten: Welches war dein schönstes Erlebnis, was war der schlimmste Augenblick, und was hat dich bisher am meisten überrascht?

Mein schönstes Erlebnis waren und sind die kostbaren Zeiten des „Flow“. Die Wirklichkeit verschwindet vorübergehend, ich existiere nur noch in dem, was da scheinbar ohne Anstrengung aufs Papier fließt (im wahren Wortsinn, denn ich schreibe zuerst von Hand). Skizzierte Figuren gewinnen auf einmal Leben, sprechen, entwickeln ihre Eigenheiten. Ich sehe meine erfundenen Szenen oder Bilder so deutlich, wie man manchmal nächtliche Träume erlebt. Das ist ein tolles Gefühl, und ich erinnere mich genau, wie ich das zum ersten Mal erlebt habe. Entstanden ist damals dabei die Streitszene eines Paars, eigentlich nicht unbedingt etwas Schönes. Ich war anschließend total erschöpft, bin aber trotzdem mit einem irren Glücksgefühl aufs Fahrrad gestiegen, um meinen Sohn vom Kindergarten zu holen. (So lange ist das her. Mein Sohn überragt mich heute um Haupteslänge.)

Auch der „schlimmste Augenblick“ kehrt leider immer wieder. Es ist der fatale Moment, in dem ich regelmäßig bei jedem Projekt zu dem Schluss komme, dass die Idee nichts taugt, alles schon Geschriebene sowohl entsetzlich schlecht geschrieben als auch langweilig ist, und absolut kein Mensch das jemals wird lesen wollen. Zum Glück kenne ich mich inzwischen so gut, dass ich mein eigenes Urteil in diesen bedrückenden Momenten mit etwas Anstrengung ignorieren kann.

Eine andere Art schlimmes Erlebnis war es, als ich in meinem allerersten Roman (der nicht veröffentlicht ist) erkannt habe, was es für mich bedeutet, wirklich üble Erlebnisse einer Figur authentisch darzustellen, aus deren Perspektive ich schreibe. Mich in so eine Situation einzufühlen (die Familie der sehr jungen Protagonistin war in dem Fall gerade auf Nimmerwiedersehen brutal entführt worden), und die damit verbundenen Gefühle zu finden, nimmt mich manchmal ganz schön mit. Für mich ist Schreiben wie Schauspielerei mit ständigem Rollenwechsel, und ich muss dabei auf meine Erinnerungen an entsprechende oder ähnliche Gefühle zugreifen. Erinnerungen an Erdbeerkuchen mit Sahne sind begreiflicherweise weniger anstrengend als die an Verlust und Trauer.

Und in Bezug auf die Literatur allgemein: Mit welchem erfolgreichen Roman konntest du überhaupt nichts anfangen, welchen Roman hättest du selbst gerne geschrieben, und welchen Autor hättest du gerne kennengelernt?

Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, nur weil es erfolgreich war. Und ich habe mir vor einigen Jahren abgewöhnt, Bücher unbedingt zu Ende zu lesen. Ein Beispiel finde ich aber trotzdem: „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ von Luca di Fulvio. Mir gefiel sein „Der Junge, der Träume schenkte“ so gut, dass ich dem „Mädchen“ bis zur letzten Seite eine Chance gegeben habe. Leider habe ich es anschließend unzufriedenen aus der Hand gelegt.

Gern geschrieben hätte ich eine Menge toller Bücher. Zum Beispiel „Gute Geister“ von Kathryn Stockett, das als „The Help“ verfilmt wurde. Eine tolle Geschichte, die mir unter die Haut ging, originelle und lebendige Personen und ganz in einem schlichten, und doch plastischen Stil geschrieben, der mir liegt.

Kennengelernt hätte ich gern die großartige Diana Wynne Jones, die leider, leider im März 2011 verstorben ist. Sie schrieb Phantastisches für jedes Alter. Bei jedem ihrer Bücher habe ich auf der letzten Seite getrauert, dass ich ihre Welten und ihre Figuren wieder verlassen musste.

Mich würde interessieren, ob du selbst das Bogenschießen beherrschst.

Ja, ich bin tatsächlich begeisterte Bogenschützin. Bogenschießen gelernt habe ich mit einem modernen Visierbogen, bin nach einer Weile aber umgestiegen auf den traditionellen Holzlangbogen, so wie z.B. Hedwig, die Heldin von „Die Bogenschützin“ ihn schießt.

Grundsätzlich ist das Bogenschießen als Sport für beinah jeden geeignet. Wer noch nicht so viel Kraft hat, fängt mit einem entsprechend schwächeren Bogen an. Die Mischung aus Ruhe, die beim Schuss einkehrt, und der Geselligkeit und Bewegung an der frischen Luft (Wir schießen oft auf speziellen Parcours im Freien) macht das Traditionelle Bogenschießen für mich zu einer entspannenden Sache.

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Bogenschützin zur Heldin eines Romans zu machen und dich damit vom "Typischen" für das Genre (du weißt schon, Hebammen, Heilerinnen, Hexen, Nonnen, Händlerinnen, Mägde und Fürstentöchter) zu entfernen?

Schreibe ich über eine Frau eines vergangenen Jahrhunderts und wünsche mir eine spannende, ereignisreiche Geschichte, stoße ich zwangsläufig auf ein Problem: Ich muss der Frau mehr Handlungsspielraum verschaffen, als Frauen zu ihrer Zeit üblicherweise hatten. Hedwig (die Bogenschützin) wird als Kind aus ihrem gewohnten Rahmen, ihrem Leben als kleines Edelfräulein, gerissen und erhält durch das abgeschiedene Leben im Wald eine ganz neue Prägung. Da das Leben im Wald und das Bogenschießen nicht erst seit Robin Hood gut zusammenpassen, lag es also nahe, ihr den Umgang mit dem Bogen beizubringen. Zumal der Bogen eine auch für Frauen beherrschbare Waffe war, und ihr im späteren Verlauf der Geschichte die Chance gibt, sich gegen die gewalttätige Männerwelt zu behaupten. Abgesehen davon hat es mir natürlich einfach Spaß gemacht, das Thema einzubringen.

Wie fühlt man sich als "moderne" Frau in eine Frau aus einem vergangenen Jahrhundert ein?

Vor jedem Versuch, mich in die Figuren meiner Geschichten einzufühlen, denke ich ausgiebig über deren Lebensumstände nach. Das wäre bei der Heldin eines Gegenwartsromans nicht anders als bei der eines Historischen Romans. Um mir ein Bild von historischen Lebensumständen zu machen, darf ich aber natürlich viel weniger als selbstverständlich voraussetzen. Daher sammle ich ständig Informationen über alles, was das Lebensgefühl und die Geisteshaltung damals ausgemacht und von den heutigen Zuständen unterschieden hat. Dazu gehört auch, gelegentlich selbst auszuprobieren, wie sich z.B. eine bestimmte Arbeit oder das Tragen eines Gewandes anfühlen.

Das recherchierte Wissen versuche ich im Kopf zu behalten, wenn ich meine Romanfiguren denken, fühlen und handeln lasse.

Das heißt aber nicht, dass ich alles umsetze, was ich herausfinde, weil mir manches meine Hauptfiguren zu fremd machen würde. Wer von euch sich schon viel mit dem Leben in vergangenen Zeiten beschäftigt hat, weiß z.B. sicher, zu was für einem Volksfest Hinrichtungen und ähnliche Grausamkeiten werden konnten. Daraus kann man schließen, dass sich der größte Teil der Menschen für so eine grausige Show begeisterte, was mit einiger Wahrscheinlichkeit dann auch für meine Protagonisten gegolten hätte. Da (wohl nicht nur) ich aber einen solchen Charakterzug als abstoßend empfinde, weil sich unsere Vorstellungen von Gut und Böse denn doch etwas verändert haben, weiche ich ab und gönne meiner Heldin/meinem Helden sympathischere Züge. Für solche Abweichungen gibt es etliche Beispiele. Mögliche Erklärungen für dieses „Anderssein“ der Figur, tragen dann gleich dazu bei, dass sie nicht „typisch im Verhalten ihrer Zeit“, sondern etwas Besonderes ist.

Abgesehen davon ist mir aber auch bewusst, dass mir das Einfühlen in die Menschen der lange zurückliegenden Vergangenheit nie völlig authentisch gelingen kann. Dazu gibt es zu viele Einflüsse, die mir nicht bekannt oder die nicht mehr nachvollziehbar sind.

Schreibst du nach einem geregelten Arbeitstag oder eher, wenn die "Muse" dich streift und du quasi gerade eine Eingebung hast?

Ich schreibe nach einem völlig geregelten Arbeitstag. (Näheres hier) Die Musen finden mich bei der Arbeit am leichtesten.

Wie lange hast du für diesen (oder jenen) Roman gebraucht?

Bei einem historischen Roman von etwa 500 Seiten etwas länger als ein Jahr von der ersten Idee bis zum letzten getippten Wort. Sollte ich es unbedingt schätzen, würde ich sagen, dass zwei Monate davon Recherche sind. Allerdings muss man dazu sehen, dass ich inzwischen nicht mehr alles von Grund auf recherchiere, weil ich mich nun schon seit Jahren mit historischen Themen und Alltagsbedingungen beschäftige.

Es ist allgemein etwas schwierig, auseinander zu rechnen, wie viel Zeit bei einem bestimmten Roman jeweils auf die Materialsammlung und das Schreiben entfallen. Denn ich recherchiere auch während der Schreibphase immer wieder nach. Oft muss ich Dinge doch noch genauer herausfinden, als ich vorher glaubte. Umgekehrt merke ich auch manchmal erst beim Schreiben, dass ich einen Bereich, von dem ich dachte, ich müsste genau darüber Bescheid wissen, für die Geschichte nicht brauche. Bei der "Bogenschützin" habe ich mich z.B. sehr viel länger mit der Biographie von König Sigismund beschäftigt, als vielleicht nötig gewesen wäre.

Ein anderer Faktor ist, dass ich vom Projektstart bis zur Manuskriptabgabe zwar ungefähr 14 Monate brauche, aber in dieser Zeit auch immer Arbeiten einschieben muss, die andere Romane betreffen, wie z.B. das Lektorat des Vorgängerromans.

Woher stammt der Begriff "Erzbuschklepper"?

Bei der Recherche halte ich ständig Ausschau nach interessanten oder witzigen alten Wörtern, die ich verwenden könnte. Einen Buschklepper nannte man einen Strauchdieb, einen berittenen Wegelagerer, der sich samt Pferd im Gestrüpp verbarg. Beim "Erzbuschklepper" hat der alte von Quitzow das Wort mit dem "Erz" vom "Erzbischof" zusammengezogen.

Wolltest du eigentlich schon immer schreiben? Und welche Alternative hätte es für dich gegeben, wenn das mit dem Schreiben nicht funktioniert hätte? Schließlich ist es ja schon ein ziemlich riskanter Beruf, da man ja zu Beginn nie weiß, wie die Bücher bei Verlagen und Lesern ankommen werden...

Ich kann nicht behaupten, dass ich schon als Kind Autorin werden wollte. Geschrieben habe ich allerdings immer viel. Kleine Geschichten, später jahrelang mehr oder weniger wirr und ausschweifend Tagebuch, Skizzen, Kurztexte für die Schublade.

Während des Studiums war mein Plan, ins Verlagswesen zu gehen, also eher in den Bereich Lektorat oder Marketing. Nur hat es sich so ergeben, dass sofort nach dem Studium erstmal die Familiengründung an der Reihe war. Ich bekam in kurzem Abstand zwei Kinder (hatte glücklicherweise dabei einen voll erwerbstätigen Partner) und der Einstieg ins Berufsleben war für eine Weile kein Thema mehr. Das Schreiben übrigens auch nicht. Zwei Kleinkinder zu betreuen ist nicht gerade Humus für Kreativität und Konzentration.

Als die Kinder etwas größer wurden (gerade so groß, dass sie mich nicht mehr dauernd brauchten, aber noch nicht so groß, dass ich besagten Einstieg ins Berufsleben schon ernsthaft erwogen hätte) überkam mich das dringende Bedürfnis, endlich wieder geistig zu arbeiten. Wenn Du in Deinem Leben jemals einen Roman schreiben willst, sagte ich mir, dann jetzt! Die Situation könnte nicht günstiger sein.

Aber nicht, dass nun jemand denkt, mein erster Roman wäre veröffentlichungsreif gewesen. Er hat mich nur endgültig mit dem Schreibvirus infiziert. Von da an habe ich mich intensiv mit allen Fragen des Schreibens und Veröffentlichens auseinandergesetzt: einen Schreibkurs gemacht, eine wunderbare Autorengruppe mitgegründet, das Verfassen von Exposés für Romanideen gelernt, einen Agenten gefunden … Und nach all dieser Vorarbeit ging es dann mit dem Veröffentlichen so schnell, dass ich am „Schreiben als Beruf“ zur Zeit nicht zweifle.

Martha, was hat es mit dem Autorenwelt-Shop auf sich? Warum sollte ich dort Bücher kaufen?

Zu diesem Thema habe ich ein langes Blog-Posting geschrieben: Über Fairness und die Welt der Bücher

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